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Man darf doch noch träumen

  • date
  • 5. Januar 2014

In letzter Zeit war ich viel mit Hans-Peter am Wasser und immer wieder von seinem „eiskalten Händchen“ begeistert. So auch dieses Mal. Hier der Gastbericht über den Fang seines Traumfisches –  im wahrsten Sinne des Wortes. Vielen Dank für die packende Fangstory!

Die vergangenen Tage am Wasse und deren überschaubare Fangausbeute, hinterließen eindeutige Spuren. Der Arm schmerzte vom vielen Werfen, das Kreuz war auch nicht mehr das, was es einmal war und die Nase ohnehin schon seit Wochen bis auf Weiteres geschlossen. Die Kurzfassung: kaum Fisch und reichlich Zeit zum Jammern. „Hurra, es ist wieder einmal Winter“.

Da ich nicht der einzig leidgeprüfte war, suchten Andreas und ich über die Feiertage schon fast verzweifelt einen Plan B und nach langem hin und her fassten wir auch einen Entschluss. Vorfreude gepaart mit Nervosität machte sich am Vorabend breit und mein Rücken forderte für seine treuen Dienste auch noch die entsprechende Aufmerksamkeit. Kurz eingeschlafen, wachte ich vor Schmerzen schon wieder auf, wand und drehte mich von einer Seite zur anderen. Plötzlich sah ich ihn ganz klar vor mir, einen wunderschönen Huchen. Fast schon arrogant blieb er vor mir stehen und demonstrierte seine vermeintliche Überlegenheit. Der Köder wurde kompromisslos attackiert und ein harter Kampf auf Biegen und Brechen zeichnete sich ab. Die Fluchten waren kaum zu bremsen, und es war bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar, wer diesen Kampf gewinnen wird. Wie aus dem Nichts vernahm ich plötzlich den schonungslosen Lärm meines Weckers und kurz darauf saß ich völlig verdutzt und kopfschüttelnd im Bett. „Schei…, was war das jetzt???“ Verärgert über den abgebrochenen Drill und innerlich aufgewühlt, zerrte ich mich aus dem Bett und ging zur obligatorischen Morgenhygiene über. Die Bilder vor dem brutalen Akt meines Weckers begleiteten mich noch auf der Fahrt zu unserem Treffpunkt und ich spürte eine gewisse Enttäuschung in mir, obwohl es schlichtweg einfach nur ein Traum war.

Am Wasser angekommen, wurden wir von einer stimmungsvollen Atmosphäre empfangen. Dichter Nebel umhüllte die Umgebung und lieferte sich mit den ersten Sonnenstrahlen einen erbitterten Kampf um die Oberhand. „Jawohl, so soll es sein, so darf es bleiben!“, sagte ich mir. Das Boot ins Wasser und schon ging es los. Getrieben vom Bauchgefühl, kämpften wir uns durch den Nebel und ankerten instinktiv. Auf Großhecht eingestellt, sattelten wir unsere 23er Gummis und schleuderten diese durch die Gegend. Beeindruckt von der Kulisse spielte es auch keine Rolle mehr, ob wir jetzt auf der richtigen Spur waren oder nicht. Wir tasteten die Bodenstruktur um uns ab und konnten auch prompt einige Kanten finden. Etwas überraschend benötigte mein Köder plötzlich entschieden mehr Zeit, den Grund zu erreichen. Mit den Worten „Geh leck, da geht’s oba gscheid obe“ konnte ich meiner Verwunderung noch kurz Ausdruck verleihen…

Beim nächsten Anheben und Beschleunigen des Köders verspürte ich einen unmissverständlichen Einschlag, der Rest lief eher reflexartig ab und der Fisch hing. Na, das war ein Auftakt, kaum 10 Würfe und schon der erste Hecht und nach der Gegenwehr zu urteilen auch kein schlechter. Wenig später konnten wir den Burschen auch schon sehen: „Ein fetter Wuzl, dieser Hecht“. Andreas schnappte sich den großen Bootskescher und bereitete sich auf die Landung vor. Kurz vor dem Kescher traute ich meinen Augen kaum und ich wurde abrupt etwas unrund. „Des is koa Hecht, des is, des is…. a Huuuaaachen….!“. Durch die perfekte Landung hatte ich auch keine Möglichkeit mehr, den Fisch durch eine unnötige Dummheit zu verlieren und konnte voller Stolz, meinen ersten „richtigen“ Huchen bestaunen. Alle Beschwerden waren wie weggeblasen und ich wusste kurz nicht, wie mir geschah. Sicherheitshalber zwickte ich mich doch noch ordentlich in die Hand. Dem Schmerz zufolge musste das wohl wirklich passiert sein.

Huchenfang

Nach aufrichtigen Glückwünschen kümmerte sich Andreas sofort um die Versorgung des Fisches, während ich versuchte mein Nervenkostüm mittels einer Zigarette zu entlasten. Fast pausenlos musste ich in den Kescher blicken, in dem sich das wunderschöne Tier zur Erholung befand. Ich las und hörte schon einiges über den Huchen, aber solch einen Fisch mal in Natura zu erleben, war und ist für mich etwas ganz Besonderes. Nach ein paar Erinnerungsfotos war es dann auch an der Zeit, sich zu verabschieden und so unverhofft wie er auftauchte, verschwand er auch wieder in der Tiefe.

Huchen-vom-Boot-aus

Obwohl wir keine weiteren Fische mehr fangen konnten, war der restliche Tag einfach nur mehr entspannte Draufgabe. Das Wetter besserte sich von Stunde zu Stunde und mündete in einem fantastischen Abendrot.

Huchen

An dieser Stelle möchte ich mich noch mal bei Andreas bedanken, welcher mich in der letzten Zeit bei so manchen, für mich besonderen Fischen, unterstützte und sich jedes Mal wohlgesinnt mit mir freuen konnte.

Tight Lines!
Hans-Peter

Eine Antwort auf Man darf doch noch träumen

  • Martin Mühlberger sagt:
    11. August 2014 um 17:06

    Hallo Hans-Peter,

    gratuliere (nachträglich) zu deinem Traumhuchen. Schön wieder einmal von dir zu hören bzw. zu lesen.

    Mich hat mit einem Zufallszander (geblinkert) im Oktober voriges Jahr auch die Raubfischlust gepackt.
    Heuer schauts aber schlecht aus bei mir. Bei mittlerweile unzähligen Versuchen konnte ich erst einen Zander fangen.

    Alles Gute und vielleicht sehen wir uns wieder einmal bei einem Klassentreffen.

    LG, Martin

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